Madama Butterfly – ein großer Abend der Damen

Von Dr. Wolfgang Beesemad

Meine Mit-Männer am Erfurter Theater mögen es mir nachsehen, sie haben alles Notwendige zu diesem berauschenden und bejubelten Premierenabend beigetragen. Allen voran Matthew Ferraro, der das Stück stilsicher, überzeugend auch im Detail (z. B. lakonischer Schluss) und in der eigenen Ausstattung inszenierte.

Und er hat wohl schnell erkannt, was und wen er in diesem Ensemble vorfindet. In einem Interview findet sich sein Satz: "Ilia ist ein Geschenk." Das Erfurter Publikum weiß das seit acht Jahren. Doch am Samstag sang und spielte sie ihr Meisterstück. Jeder stimmlichen Nuance, jeder darstellerische Herausforderung war Frau Papandreou nicht nur gewachsen sondern hatte noch Luft und Kraft, sie zu gestalten. Den ganzen Abend lang nahm man ihr die Anmut, die Kraft, die Traurigkeit, die Resignation nicht nur ab, sondern war einbezogen und mitfühlend.

Nicht viel weniger kräftezehrend und anspruchsvoll ist die Rolle der Suzuki. Katja Bildt spielte und sang ebenfalls meisterlich. Sie agierte zwar aus der "zweiten Reihe", war aber unglaublich präsent.

Ja, und dann Puccinis Musik. Sieht man von den wenigen pseudojapanischen Einsprengseln ab, ist diese Musik einfach überwältigend. Einerseits so filigran, dass man völlig bewegungslos sitzt. Und dann wieder so ausdrucksstark, dass man aus dem Theatersessel "gezogen" wird. Das Philharmonische Orchester hat gespielt, als sei der Teufel hinter ihm her. Doch es war wohl der Engel davor. Alle waren auf das erste Dirigat von Frau Joana Mallwitz als GMD gespannt: Musiker, Ensemble und Publikum. Am Premierenabend waren (fast) alle euphorisiert. Was für ein Auftakt. So viel Souveränität und Gestaltungswille.

Der Jubel war überwältigend. Buh-Rufe gab es nicht, aber einige wenige Besucher, die ihr Entsetzen über die Inszenierung zum Ausdruck brachten. Das hat mich am Abend schon sprachlos gemacht und ist jetzt beim Schreiben nicht anders.

Madama Butterfly als erste Oper in der Spielzeit zu bringen, die "Geliebter Feind" heißt, ist einfach genial. Eine psychologisierende Erklärung braucht es da nicht. Das macht neugierig auf die nächsten Inszenierungen mit diesem Ensemble (Frauen und Männer!). Für heute gilt: Wer jetzt nicht hingeht, geht nimmermehr.