"Der Tüfel geit um…" Zur Uraufführung von "Der Richter und sein Henker" am Theater Erfurt

Von Dr. Wolfgang BeeseXLLFZB3QM8MJ10064092629

Dass über 600 Zuschauer am Ende der Premiere einer zeitgenössischen Oper fast 15 Minuten applaudieren und dass beim Erscheinen des Regieteams keine und bei dem des Komponisten nur ganz wenige Pfiffe zu hören waren, spricht einerseits für die bemerkenswerte Inszenierung und andererseits für das aufgeschlossene Erfurter Publikum.

Die Ansprüche an die Besucher und an alle an dieser Aufführung Beteiligten waren ausgesprochen hoch. Dass die Musiker die ambitionierte Partitur so hörenswert umsetzen konnten ist wohl dem Dirigenten Gerd Herklotz zu verdanken. Der Komponist Franz Hummel hat auch bei den Solostimmen nicht mit Schwierigkeiten gegeizt. Nur ein Beispiel: die Rolle des Tschanz (Marwan Shamiyeh). Doch die anderen Solisten konnten das Publikum ebenso überzeugen. Um nur einige zu nennen: die glanzvolle Alice Rath als Anna, der in jeder Weise präsente Robert Wörle als Gastmann, der für seine Rolle als Bärlach nur scheinbar zu junge Petteri Falck und der komödiantisch wie immer gut aufgelegte Máté Sólyom-Nagy.

Die Inszenierung lebt von den gestalterischen Ideen von Rosamund Gilmore, die hier nicht nur als einfallsreiche Opernregisseurin sondern zugleich als versierte Choreographin am Werk war. Man spürt förmlich das Vertrautsein mit der ausdrucksstarken Musik Hummels. Den Protagonisten noch tänzerische "Schatten" zuzuordnen, die teils synchron, teils eigenständig agierten, erweist sich nicht als Ablenkung, sondern als Verstärkung. So entsteht noch einmal eine weitere Dimension.

Und es fördert die Verstehbarkeit des komplizierten Stoffes in dem es um nichts weniger geht als um das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit. Dass die Schöpfer dieser Oper, praktischerweise hat der Komponist die Librettistin gleich in der Familie, auch noch den Autor der literarischen Vorlage Friedrich Dürrenmatt ins Spiel einbeziehen, erweist sich als sinnstiftend. Olaf Müller spielt das ganz souverän. Und dennoch: Wer die Romanvorlage nicht kennt, hat es schwer mit dem Stück. Ein Blick vorher ins Programmheft ist zu empfehlen.

Noch weitere Gründe für den Besuch dieser Inszenierung: der beeindruckende Opernchor einschließlich seiner Solisten und die nicht auf- sondern eindringliche Ausstattung. Es war Theater total: Oper, Tanztheater und Schauspiel und das alles aus einem Guß.