Glanzvoller Rigoletto

Von Karl-Heinz Kindervater

Wann immer Rigoletto auf dem Spielplan steht, darf sich das Theater regen Zuschauerzuspruchs sicher sein, erfüllt doch diese Verdi-Oper alle Voraussetzungen, die der traditionelle Opernfreund erwartet. Melodien, die das Ohr und das Herz erreichen, darunter viele Ohrwürmer, eine Handlung um falsche und wahre Liebe, Intrige, Verrat und Mord – das alles ist in dieser Oper zu finden.
Seit über 20 Jahren finden Inszenierungen statt, die das Stück aus dem traditionellen romantischen Ambiente in moderne Lesarten der tragischen Vater-Tochter-Beziehung überführen.

In der Inszenierung von Rupert Lummer, der einer Idee von Bernard Uzan folgt, wird die Handlung aus dem italienischen Spätmittelalter in das Amerika zur Zeit der schlimmsten Rassentrennung und des Ku-Klux-Klan verlegt.
Folgerichtig wird aus dem buckligen Hofnarren Rigoletto der farbige Bedienstete.

Wie erlebte das Premierenpublikum diese Inszenierung?
Wenn vielfacher Zwischenapplaus, Bravorufe und lang anhaltender donnernder Schlussapplaus der Maßstab sind, ist diese Premiere ein großer Erfolg.
Man kann feststellen, Erfurt kann sich glücklich schätzen eine solche Premiere im eigenen Haus feiern zu können.
Der Vergleich mit anderen großen Opernhäusern braucht nicht gescheut zu werden.
Ein exzellent spielendes Philharmonisches Orchester und ein kraftvoller Chor unter der Leitung von Samuel Bächli, dazu ein Solistenensemble der Sonderklasse, auch in kleineren Rollen hervorragend besetzt, boten eine eindrucksvolle Gesamtleistung, bei der sich kleinliche Mäkelei verbietet.
Zeit und Ort der Handlung wurden wirkungsvoll durch Bühnenbild und Kostüme (Ausstattung : Hank Irwin Kittel) unterstützt und hinterließen starke Eindrücke.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Rigoletto, dargestellt durch Siyabulela Ntlale aus Südafrika, der mit dieser Rolle sein Deutschlanddebüt gibt. Großartig ist seine sängerische Leistung ebenso aber auch seine schauspielerische Leistung bei Gestaltung der Titelpartie.
Hohes Lob gebührt auch Romy Petrick als Gilda und Pedro Velázques Diaz als Il Duca.

Alles in allem war dieser Abend ein unvergesslicher Operngenuss, der auch jene zum Theaterbesuch anregen sollte, die sonst wenig Zugang zur Oper haben.